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18.11.2019

FEHR-Arbeitskreis Zukunft 2019

Am 15. und 16. November trafen sich zahlreiche Obermeister und Innungsmitglieder zum Arbeitskreis Zukunft (AK Zukunft). Rund 70 Teilnehmer folgten der Einladung des FEHR nach Hofheim-Diedenbergen, um sich über die Digitalisierung, dem Internet of Things (IoT) und der Nachwuchskräftesicherung im digitalen Zeitalter auszutauschen.

Landesinnungsmeister Christoph Hansen begrüßt die Teilnehmer des AK Zukunft 2019.

Christoph Hansen, Präsident des FEHR und Vorsitzender der Projektgruppe Digitalisierung beim ZVEH, eröffnete die Veranstaltung. Er zeigte sich sichtlich erfreut, dass so viele Vertreter des E-Handwerks anlässlich des AK Zukunft zusammengekommen sind. Hansen hob hervor, wie wichtig es für das E-Handwerk ist, sich mit all jenen Themen zu beschäftigen, die mit einer immer schnellen verändernden Welt einhergehen.

Digitalisierung ist vielschichtig    
Für Christoph Hansen nimmt die Digitalisierung einen besonderen Stellenwert ein. Wird sie doch das E-Handwerk in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beeinflussen wie kaum eine andere Entwicklung zuvor. Mit Nachdruck betonte Hansen, wie wichtig es für Betriebe sei, sich selbst zu hinterfragen. Denn nur mit einer strengen Selbstanalyse, so Hansen, werde es einem Betrieben gelingen, sich nachhaltig auf die Digitalisierung vorzubereiten. Der Verbandspräsident sprach dabei von einer Mammutaufgabe, die in den nächsten Jahren auf die Unternehmen zukommt. Betriebe, die sich hier nicht vorbereiten, werden vom Markt überrollt werden, ist Hansen überzeugt.

Beispiel dreistufigen Vertrieb       
In seinem Vortrag führte Christoph Hansen aus, was die Digitalisierung im dreistufigen Vertrieb bedeutet. „Im E-Handwerk kommen etliche Software-Lösungen zum Einsatz. Planungs-Software, Kalkulationshilfe und kaufmännische Software sind nur einige davon. Um diese mit verschiedenen Akteuren wie der öffentlichen Hand, der Industrie oder dem Endkunden zu vernetzten, bedarf es eine entsprechende Schnittstelle, die den verschiedenen Anforderungen standhält“, erklärt Hansen. Bereits heute bringen Schnittstellen wie GAEB, IDS-C, Elbridge und xi:opd gute Voraussetzungen mit. In Anbetracht von Weiterentwicklungen muss jedoch auf die Notwendigkeit geachtet werden, dem E-Handwerk eine medienbruchfreie und prozessübergreifende digitale Kommunikation zur Verfügung zu stellen.

Internet der Dinge und Plattform Ökonomie           
Um das Internet der Dinge (Internet of Things (IoT)) ging es in dem Vortrag von ZVEH-Geschäftsführer Recht und Wirtschaft, Alexander Neuhäuser. Anhand von Facebook zeigte Neuhäuser auf, wie eine gelungene Vernetzung verschiedener Wirtschaftsketten aussehen kann. Neuhäuser hob hierbei den Vorteil einer einfacheren und schnelleren Kundenkommunikation und das Erschließen neuer Wertschöpfungsketten hervor. Als Praxisbeispiel griff Neuhäuser das Thema Elektromobilität auf. Die Automobilhersteller benötigen Betriebe, die die Installation von Ladeeinrichtungen vornehmen können. Hierdurch kommt es zum Zusammenwachsen von Marktteilnehmern (Automobilindustrie und E-Handwerk), die in einer neunen Dienstleistung münden.

Auch warf Neuhäuser die Frage auf, was Building Information Modeling - kurz BIM - dem E-Handwerk bringt. Der streng definierte Bauablauf beim BIM erfordert eine frühzeitige Produktfestlegung, was das System recht unflexibel macht. Für das E-Handwerk wird es daher zunehmend wichtiger, bereits frühzeitig in Bauprojekte eingebunden zu werden. Schließlich werden die Anforderungen an den digitalen Planungsprozess weiter wachsen.

BICO - WhatsApp für Unternehmen         
Mit Neugierde wurde der Vortrag von FEHR-Vizepräsident Stefan Ehinger erwartet, der mit BICO eine eigene Kommunikations-App nach dem Vorbild von WhatsApp für seinen Betrieb hat entwickeln lassen. BICO bietet den Vorteil der verschlüsselten Kommunikation, ist DSGVO konform, lässt sich auf allen gängigen Plattformen (iOS, Android, Windows, MacOS) installieren und bietet die Option der Protokollierbarkeit. Außerdem ist es möglich die BICO-App so einzurichten, dass Mitarbeiter außerhalb der Arbeitszeiten nicht erreichbar sind.

Mitarbeiter können bei BICO per Chat-Funktion untereinander oder mit ihrem Vorgesetzten kommunizieren, Fotos versenden oder ein Profil von sich anlegen. Die Kommunikation der Chatgruppen kann zu Dokumentationszwecken durch einen Administrator ausgedruckt werden. Der wesentliche Vorteil gegenüber WhatsApp ist jedoch, dass BICO auf einem eigenen Server installieren ist. Der Betrieb hat hierdurch zu jedem Zeitpunkt Kontrolle über seine Daten.

E-Konfigurator „easycalc-e“         
Referent Andreas Dörflinger, Obermeister der Elektroinnung Main-Taunus-Kreis, referierte über den durch Ihn entwickelten Konfigurator „easycalc-e“. Getreu dem Motto „Aus der Praxis für die Praxis“, entschloss sich Dörflinger 2014 eine Kalkulationshilfe zu entwickeln, mit der Wohnungsbauprojekte sowie gewerbliche wie auch öffentliche Bauvorhaben in wenigen Schritten kalkuliert, als Angebot ausgegeben und im GAEB-Format exportiert werden können.

Dörflinger erklärt das System wie folgt: „Nachdem das Projekt mit individuellen Parametern wie Lohngruppen oder Rabatte angelegt wurde, kann die Technik ausgewählt und mit Ausstattungsvarianten kombiniert werden. Selbstverständlich kann auch eine frei definierbare Ausstattung gewählt werden. Anschließend erfolgt die Leistungsauswahl nach den Wünschen der Kunden. Auf der Auswertungsseite kommt alles zusammen und wird strukturiert dargestellt. Abschließend kann eine Angebotszusammenfassung im pdf- oder GAEB-Format erstellt werden.“

Betriebe, die „easycalc-e“ drei Monate lang kostenlos testen wollen, können sich über die Webseite des E-Konfigurators (www.ekonfigurator.de) hierfür registrieren.

Fachbetriebssuche in der digitalen Welt 
Den Auftakt des zweiten Vortragtages machen die FEHR-Referenten Stefan Petri und Matthias Schauer, die über die Fachbetriebssuche in der digitalen Welt referierten.

Petri betonte, dass es für Betriebe zunehmend wichtiger wird, auch im Netz gefunden zu werden: „Endkunden informieren sich zunehmend über das Internet über Themen wie Energieeffizienz, Einbruchschutz oder Lichtlösungen. Die E-Plattform unterstützt diese Suche mit der google-AdWords-Kampagne, die Besucher auf Seiten wie die Fachbetriebssuche (www.elektrobetrieb-finden.de) oder die Ausbildungsplatzsuche (www.e-zubis.de) der E-Handwerke leitet.

Ein Thema, welches FEHR-Referent Matthias Schauer besonders am Herzen liegt, ist die Mitarbeiter- und Nachwuchsgewinnung. Der Berater merkte an, dass die meisten Betriebe zwar Marketing für Endkunden machten, dass Marketing um neue Mitarbeiter jedoch in vielen Betrieben noch am Anfang steht. Dabei sei es in Anbetracht des Fachkräftemangels durchaus lohnend, hier aktiv zu werden und die Vorteile des eigenen Betriebs als Arbeitgeber für künftige Azubis und Mitarbeiter hervorzuheben. Der Betrieb sollte daher nach außen sichtbar sein. Etwa durch eine professionelle Webseite mit Arbeitgeberinformationen, auf der die entsprechenden Zielgruppen angesprochen werden und hilfreiche Informationen zu Betrieb, Berufsbild, Ausbildung und zum Bewerbungsprozess zu finden sind. „Der Betrieb kann beispielsweise signalisieren, dass auch weibliche Bewerber oder Interessenten, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, willkommen sind. Sinnvoll ist zudem auch ein Hinweis auf Praktikumsplätze. Ein Praktikum zum gegenseitigen Kennenlernen ist wichtig und erleichtert eine fundierte Entscheidung für eine Ausbildung“, so Matthias Schauer.

Der FEHR bietet allen interessierten Betrieben eine kostenfreie Unterstützung in Form von Beratung und Workshops an, um den Auftritt als Arbeitgeber zu optimieren und damit die eigene Wettbewerbsposition zu stärken.

Nachwuchskräftesicherung im digitalen Zeitalter         
Mit Spannung wurde der Vortrag von Prof. Dr. Beck, Experte für Personalmarketing an der Hochschule Koblenz, erwartet.

Mit Bedauern wies Beck darauf hin, dass der Stellenwert der dualen Berufsausbildung in den letzten Jahren massiv gesunken ist. Dabei bietet das Handwerk neben der Gesundheitsbranche und dem Energiesektor die besten Zukunftsperspektiven.

Um den Nachwuchsbedarf zu sichern, empfiehlt Beck, die Lebensplanung der Mitarbeiter einzubeziehen und Sonderleistungen wie zusätzliche Urlaubstage z.B. für einen Umzug anzubieten. Um mehr Jugendliche für das Handwerk zu gewinnen, sei es notwendig, neue Wege zu gehen, betont Beck. Etwa, in dem das Schulfach “handwerkliches Arbeiten“ an Allgemeinbildenden Schulen eingeführt und die Meisterausbildung kostenlos wird. Wenn es das Handwerk schafft, sich auf diesen Wandel einzustellen, wird es die jungen Leute für sich gewinnen können.

E-Protokolle – E-CHECK digital    
Ludwig Klatzka, Geschäftsführer der META München, sprach über die Kalkulationshilfe KFE-Connect. Mit KFE lassen sich Angebote, Vorgabezeiten, Monteurplanung und die Abrechnung einfach erstellen. Kalkuliert wird auf Basis der marktüblichen Stundenverrechnungssatzspanne. Für höherwertige Arbeiten, insbesondere in der Bustechnik, wird mit entsprechenden Stundenverrechnungssätzen kalkuliert.

Um die E-Prüfprotokolle ging es bei Andreas Habermehl. Nach einem Überblick informierte er die Teilnehmer über Neuerungen. Habermehl wies darauf hin, dass in der neuen Protokoll-Software vom ZVEH alle Protokolle zu finden sind, die der E-Handwerker braucht. Als Weiterentwicklung ist geplant, künftig auch Messdaten von Gossen-Metrawatt-Messgeräten einspielen zu können.  Neu hinzukommen sollen ab 2020 unter anderem PV-Anlagen-, Speicher- und Kombiprotokolle sowie die Möglichkeit, eine digitale Unterschrift zu leisten.

Nach einem gelungenen Vortragsprogramm schloss FEHR-Präsident Christoph Hansen den Arbeitskreis Zukunft mit Hinweisen auf das „Ausnahmejahr 2020“, welches den E-Handwerken in Hessen und Rheinland-Pfalz bevorsteht. „Da ist zum einen die „light+building in Frankfurt zu nennen. Auf dem Gemeinschaftsstand der E-Handwerke erwartet Sie ein umfassendes Rahmenprogramm und viele Informationen zu den wichtigsten Zukunftsthemen. Außerdem wird es eine aktualisierte Version des E-Hauses geben. Bitte merken Sie sich diesen wichtigen Branchentermin daher bereits heute vor,“ so Hansen.

„Als nächstes Highlight erwartet die E-Handwerke der Bundesverbandstag, der 2020 in Wiesbaden stattfinden wird und dessen Ausrichter der FEHR ist. Im September findet unser Landesverbandstagung statt. Gastgeber ist die Innung Frankfurt“, so Hansen.

Abschließend dankte der Verbandspräsident noch allen Referenten für deren exzellente Vorträge und die bemerkenswerten Einblicke, die sie den Teilnehmern des diesjährigen AK Zukunft vermittelt haben. PSc

Die Präsentationen der einzelnen Referenten des AK Zukunft können über die FEHR-Webseite heruntergeladen werden:

www.liv-fehr.de/aktuelles/ak-zukunft.html

Quelle: Landesinnungsverband Hessen / Rheinland-Pfalz

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